Universität Bern an Mission zur Untersuchung des Asteroiden Apophis beteiligt

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Universität Bern an Mission zur Untersuchung des Asteroiden Apophis beteiligt

Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat an ihrer Ministerrats-Tagung die Mission RAMSES genehmigt. Die gemeinsame Mission der ESA und der japanischen Weltraumorganisation JAXA soll den Vorbeiflug des Asteroiden «Apophis» an der Erde im April 2029 untersuchen. Die Universität Bern ist an der Mission mit der Kamera CHANCES beteiligt. Diese wird hochauflösende Bilder aufnehmen, um mögliche Veränderungen der Beschaffenheit und der Eigenschaften der Oberfläche von Apophis unter dem Einfluss der Anziehungskraft der Erde zu untersuchen.

Am 26. und 27. November 2025 fand die Tagung des Rates auf Ministerebene der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) in Bremen statt. Dabei entschieden die 23 Mitgliedstaaten - darunter auch die Schweiz über die Prioritäten der europäischen Raumfahrt für die kommenden Jahre sowie über die Umsetzung der ESA-Strategie 2040. Zudem haben die Mitgliedsländer festgelegt, an welchen zukünftigen ESA-Programmen sie sich beteiligen werden.

An dieser Tagung wurde unter anderem entschieden, dass die Mission RAMSES (Rapid Apophis Mission for Space Safety) der ESA und JAXA durchgeführt wird, bei der der Asteroid ’Apophis’ vor, während und nach seinem nahen Vorbeiflug an der Erde im April 2029 untersucht wird. Diese Mission bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Auswirkungen von planetaren Gezeitenkräften auf Asteroiden zu erforschen und unverzichtbare Informationen für die ’Planetary Defense’, die Verteidigung der Erde, zu gewinnen. Die ESA wählte für RAMSES die Berner Kamera CHANCES (Colour High-resolution Apophis Narrow-angle CamEra System) aus, einen hochauflösenden Imager, der die Form und die Oberfläche des Asteroiden beobachten und mögliche Veränderungen charakterisieren soll. Die Entscheidung über die Finanzierung und Durchführung der Mission war von entscheidender Bedeutung, um den engen Zeitplan einzuhalten. Die Mission wird im April 2028 starten und im Februar 2029 in der Nähe von Apophis ankommen.

Einzigartige Gelegenheit, Asteroiden näher zu erforschen

Am 13. April 2029 wird der Asteroid Apophis die Erde in einer Entfernung von nur 32’000 Kilometern passieren. In dieser Entfernung wird die Erdanziehungskraft den Asteroiden leicht verformen, seine Rotation beeinflussen und möglicherweise sogar kleine Gerölllawinen auslösen und so Material aus seinem Inneren an die Oberfläche befördern, das sonst verborgen geblieben wäre. Dieses äusserst seltene Ereignis bietet Forschenden die Möglichkeit, die physikalischen Eigenschaften und potenziellen Veränderungen auf der Oberfläche des Asteroiden im Detail zu untersuchen. Die durch die Mission gewonnenen Daten werden entscheidend sein, um die Mechanismen zum Schutz des Planeten vor Asteroideneinschlägen zu verbessern und die Entstehung und Entwicklung dieser kleinen Himmelskörper besser zu verstehen.

Detaillierte Aufnahmen des Asteroiden dank Berner Kamera

Die Universität Bern wird mit der Entwicklung der CHANCES-Kamera (Colour High-resolution Apophis Narrow-angle CamEra System) einen wesentlichen Beitrag zur RAMSES-Mission leisten. ’Unser Instrument wird detaillierte Bilder der Oberfläche von Apophis machen und in der Lage sein, subtile Veränderungen zu erkennen, die durch die Anziehungskraft der Erde verursacht werden’, erklärt Antoine Pommerol, der die Entwicklung von CHANCES am Physikalischen Institut der Universität Bern leitet.

Pommerol fährt fort: ’Der CHANCES-Imager wird in der Lage sein, den Reflexionsgrad der Oberfläche bei verschiedenen Wellenlängen zu analysieren, um die mineralogische Beschaffenheit der Oberfläche sowie die physikalischen Eigenschaften der an der Oberfläche freiliegenden Gesteine und des Staubs zu bestimmen.’

Verteidigung der Erde

Gefragte Spitzentechnologie für Weltraummissionen

Die RAMSES-Mission wird nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse liefern, sondern auch wichtige Informationen beisteuern, um schnell auf potenzielle Bedrohungen aus dem All zu reagieren. Martin Jutzi vom Physikalischen Institut der Universität Bern sagt: ’Die gewonnenen Daten werden dazu beitragen, Strategien zur Ablenkung von Asteroiden zu entwickeln und so die Sicherheit unseres Planeten zu gewährleisten. Der nahe Vorbeiflug von Apophis an der Erde bietet die einmalige Möglichkeit, die Effekte der Gezeitenkräfte der Erde auf einen Asteroiden zu studieren.’

Diese Erkenntnisse sind gemäss Jutzi von zentraler Bedeutung, um Konzepte zur Ablenkung potenziell gefährlicher Asteroiden zu entwickeln. Jutzi ist federführend in den Missionen DART und Hera beteiligt, die beide den planetarischen Schutz vor Asteroiden als Hauptziel haben. Im Rahmen dieser Projekte erstellt Jutzi mit seinem Team numerische Simulationen - etwa zum Einschlag einer Raumsonde in einen Asteroiden - und untersucht, wie der Impakt den Asteroiden aus seiner Bahn bringt oder seine Umlaufbahn verändern könnte.

Der Instrumentenbau für Weltraummissionen hat eine lange Tradition an der Universität Bern. RAMSES ist das Ergebnis von jahrelanger Erfahrung und Expertise der Universität Bern in der Entwicklung von Instrumenten für Weltraummissionen der ESA, NASA oder JAXA. ’Das kompakte, leichte und dennoch sehr leistungsfähige Instrument CHANCES verbindet früherer Entwicklungen der Universität Bern - wie etwa CoCA, die Hauptkamera der Mission Comet Interceptor der ESA oder die Berner Marskamera CaSSIS, die seit 2018 hochaufgelöste Bilder der Oberfläche des Roten Planeten liefert - mit sehr innovativen Aspekten, die auf die besonderen Ziele dieser Mission zugeschnitten sind’, sagt Pommerol.

Am Projekt sind zahlreiche industrielle und akademische Partner in der ganzen Schweiz beteiligt. Internationale Partner in Frankreich, Kanada und Österreich liefern ebenfalls Komponenten, die für den Betrieb von CHANCES unerlässlich sind. ’Es freut uns sehr, dass die ESA und die JAXA für die RAMSES-Mission erneut auf Spitzentechnologie vertrauen, die in den Werkstätten am Physikalischen Institut der Universität Bern und von lokalen und internationalen Partnern entwickelt und gebaut wurde’, so Pommerol abschliessend.