Für einen Tag Prinzessin sein
«Die Hochzeit bietet für Paare eine besondere Gelegenheit, Geschlechterdifferenz zu zelebrieren und dadurch symbolisch etwas Wiederherzustellen, was im Alltag brüchig geworden ist. Fleur Weibel vor dem Zivilstandsamt Basel-Stadt. (Foto: Universität Basel, Florian Moritz) Für ihre Forschung hat Fleur Weibel vom Zentrum Gender Studies der Universität Basel zehn Paare an ihrem Hochzeitstag begleitet. In Folges mit insgesamt 24 Brautleuten hat sie die aktuelle Bedeutung der Hochzeit für heteround homosexuelle Paare in der Schweiz untersucht. Fleur Weibel, trotz der schwindenden Bedeutung und der schlechten Erfolgsquote der Ehe sind Hochzeiten hoch im Kurs. Wie sind Sie für Ihre Dissertation auf das Thema gekommen? Beziehungen und das intime Zusammenleben von Menschen haben mich schon immer interessiert. Dass mein Doktoratsprojekt sich nun ausgerechnet um Hochzeiten dreht, hat wohl auch mit meinem Alter zu tun: Um mich herum gab es auf einmal immer mehr davon und ich habe mich gefragt, was Paare heute noch dazu bewegt, zu heiraten. Die Scheidungsraten sind hoch, für das Zusammenleben ist eine Ehe nicht mehr zwingend, sie scheint immer mehr an Bedeutung zu verlieren. Andererseits habe ich all diese Hochzeiten um mich herum mitbekommen und festgestellt, wie wichtig sie für das Paar und ihr Umfeld waren. Ausserdem fiel mir aus geschlechtertheoretischer Perspektive auf, dass die Feste sehr traditionell gestaltet waren- mit klar zugeschriebenen Geschlechterrollen, wie man sie im Alltag meist nicht mehr lebt. Was wollen die Paare mit dieser Darstellung bezwecken?

