Ehemaliges Chemieinstitut erhält Auszeichnung «Chemical Landmark 2015»

Ehemaliges Chemieinstitut erhält Auszeichnung «Chemical Landmark 2015»

Die Akademie der Naturwissenschaften würdigt das ehemalige Chemieinstitut der Universität Freiburg als «Chemical Landmark» und die Universität Freiburg zeichnet den Nobelpreisträger Alan J. Heeger mit der «Fribourg Chaim Weizmann Lecture» aus. Chaim Weizmann selbst erarbeitete seine Promotion im ehemaligen Chemieinstitut, in dem Forscher auch erstmals Phthalocyanin synthetisierten.

Das ehemalige Chemieinstitut.
© Service des biens culturels Fribourg. Fonds Héribert Reiners
Die Auszeichnung der Akademie der Naturwissenschaften «Chemical Landmark» findet dieses Jahr in Kombination mit der jährlichen «Fribourg Chaim Weizmann Lecture» statt. Nach einer Würdigung durch Alexander von Zelewsky (emeritierter Chemie-Professor der Universität Freiburg) wird eine mit Phthalocyanin farbig eloxierte Gedenktafel enthüllt und am Gebäude fixiert. Alan J. Heeger (Chemie-Professor an der University of California, Santa Barbara und Nobelpreisträger der Chemie 2000), der Preisträger der «Fribourg Chaim Weizmann Lecture 2015», referiert zum Thema «Creativity, Discovery and Risk – Nobel Prizes Past and Future».
Die Universität eröffnete das ehemalige Chemieinstitut 1896 als Teil der naturwissenschaftlichen Fakultät auf Initiative von Staatsrat Georges Python in Pérolles, das damals noch nicht an die Stadt Freiburg angeschlossen war. Augustin Bistrzycki und René Thomas-Mamert richteten die ersten Chemielabore in der zuvor als Kaserne und Artilleriedepot genutzten Waggonfabrik ein, welche das erste chemische Institut der Universität Freiburg bildeten. Bereits diese beiden Professoren brachten die deutsche und französische Bildungskultur mit und verschmolzen sie hier miteinander.
Bis 1974 beherbergte die ehemalige Waggonfabrik die Chemieinstitute der Universität Freiburg, die zahlreiche Chemiker ausbildeten – auch Chaim Weizmann erarbeitete hier 1899 seine Promotion. Die Forschung dieser Chemieinstitute liess von sich hören, unter anderem synthetisierten Edmond von der Weid und Henri de Diesbach 1927 hier erstmals Phthalocyanin. Sie bemerkten die extreme Stabilität dieses Moleküls, die technische Bedeutung als Farbstoff wurde damals jedoch noch verkannt. Noch heute enthalten etwa 25% aller organischen Pigmente dieses Farbstoffmolekül.
Das wissenschaftlische Erbe würdigen
Durch die «Chemical Landmarks» macht die «Platform Chemistry» auf das wissenschaftliche und technologische Erbe der Schweizer Chemie aufmerksam. Dabei werden historisch bedeutende Einrichtungen als «historische Stätten der Chemie» ausgezeichnet und als Teil des kulturellen Erbes gewürdigt. Das ehemalige Chemieinstitut der Universität Freiburg ist bereits die siebte als «Chemical Landmark» ausgezeichnete Einrichtung. Frühere Auszeichnungen gingen 2009 an die erste chemische Fabrik in Winterthur, 2010 an das alte Chemiegebäude der ETH Zürich, 2011 an das Laboratorium von J.-C. Galissard de Marignac in Genf, 2012 an das Rosental-Areal und das Firmenarchiv der Novartis in Basel, 2013 an das Lonza Werk in Visp und 2014 an das Laboratorium im Schloss Reichenau (GR).
Die «Fribourg Chaim Weizmann Lectureship» entstand Ende 2009 mit der Idee, die Chemie und den Standort des Departements Chemie in Freiburg international sichtbarer zu machen. Prominente Persönlichkeiten aus dieser Domäne kommen jeweils für zwei bis fünf Tage nach Freiburg zu einem Vortrag. Die Gastrednerinnen und Gastredner haben dabei die Möglichkeit, Mitglieder der Universitätsgemeinde zu treffen und die Stadt und Region Freiburg kennen zu lernen. Des Weiteren erhält der Redner oder die Rednerin seine/ihre Nominierung als «Fribourg Chaim Weizmann Lecturer» im Rahmen einer Galaveranstaltung überreicht.

Als eine der sechs Plattformen der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) vereint und verbreitet die «Platform Chemistry» das Fachwissen des Bereiches Chemie in der Schweiz mit dem Ziel, die Interessen der Chemie als Wissenschaft in der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu verankern. Eine zentrale Aufgabe dabei ist die Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung von Chemie als einer zukunftsorientierten Grundlagenwissenschaft und einem wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft.
Im Rahmen eines «Fireside Chat», organisiert vom Innovation Club und dem Adolphe Merkle Institut, erhalten Freiburger die Chance, Nobelpreisträger Alan J. Heeger am 12. Oktober in einer persönlichen Atmosphäre kennen zu lernen. Der Innovation Club ist eine unabhängige interinstitutionelle Initiative, die allen Innovations-Interessierten offen steht. Anmeldungen nimmt Marc Pauchard ( marc.pauchard [a] unifr (p) ch ) entgegen.
Die Medien sind eingeladen, an der Auszeichnung teilzunehmen:
Datum: Dienstag, 13. Oktober 2015, 15:30 Uhr
Ort: Department of Chemistry, Chemin du Musée 9, 1700 Freiburg
Um Anmeldung an chemistry [a] scnat (p) ch wird gebeten.
Programm:
15.30 Uhr: Ankunft/Kaffee
16.00 Uhr: Begrüssung: Katharina Fromm, Jürg Pfister, Andreas Zumbühl, Beat Vonlanthen
16.30 Uhr: Laudatio/historische Retrospektive zum ehemaligen Chemieinstitut der Universität Freiburg durch Alexander von Zelewsky; Enthüllung der «Chemical Landmark»-Gedenktafel
17.00 Uhr: Einführung der FCWL: Katharina M. Fromm und Natalie Banerji Fribourg Chaim Weizmann Lecture von Alan Heeger, University of California, Santa Barbara, Nobelpreisträger der Chemie (2000)
Ab 18.00 Uhr: Apéro und Möglichkeit eines Spaziergangs zum ehemaligen Chemiegebäude