Dem Fachkräftemangel in Pharmazie entgegenwirken

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Schweizweit einzigartig: Der Studiengang Pharmazie in Bern ist eine Kombination Schweizweit einzigartig: Der Studiengang Pharmazie in Bern ist eine Kombination von naturwissenschaftlicher und patientenorientierter Ausbildung. © Isabelle Schönholzer

Seit 2020 bietet die Universität Bern ein schweizweit einzigartiges, bifakuItäres Vollstudium in Pharmazie an. Der Studiengang betont die Pharmazie als Brücke zwischen Naturwissenschaften und Medizin und trägt dazu bei, den Mangel an Apothekerinnen und Apothekern in der Schweiz zu bekämpfen. Im Herbst 2022 schloss der erste Jahrgang das Pharmazie-Studium erfolgreich ab.

Die Pharmazie wurde 2020 an der Universität Bern als Vollstudium aufgebaut und entsprach damit einem nationalen Bedürfnis: dem Apothekerinnenund Apothekermangel in der Schweiz entgegenzuwirken. In der Schweiz kann Pharmazie nebst in Bern auch in Basel, Genf oder Zürich studiert werden. Schweizweit einzigartig am Studiengang an der Universität Bern ist, dass er die Naturwissenschaften und Medizin verbindet, indem er eine solide Basis in naturwissenschaftlichen, biomedizinischen und pharmazeutischen Grundlagenfächern im Bachelorstudium an der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät vermittelt (Pharmazeutische Wissenschaften), gefolgt von einer stark patientenund praxisorientierten klinischen Ausbildung im Masterstudium an der Medizinischen Fakultät (Pharmazie), welche auf die Eidgenössische Prüfung zur Apothekerin oder zum Apotheker vorbereitet.

Nun hat der erste Jahrgang von Studierenden an der Universität Bern im Sommer 2022 den neuen Masterstudiengang Pharmazie erfolgreich abgeschlossen. Nach dem Abschluss des Masterstudiums folgte die erstmals in Bern durchgeführte Eidgenössische Prüfung in Pharmazie, worauf 22 junge Apothekerinnen und Apotheker ihr Eidgenössisches Diplom erhielten. ’Wir stehen im schweizweiten Vergleich sehr gut da’, freut sich Verena Schröder, Studienleiterin des Masterstudienganges Pharmazie. ’Dieses hervorragende Ergebnis zeigt, dass dieser bifakultäre Studiengang mit einem Schwerpunkt in medizinischer Grundversorgung nicht nur attraktiv ist, sondern auch die eidgenössischen Vorgaben vollständig erfüllt’, sagt Christian Leumann, Rektor der Universität Bern. Das Vollstudium Pharmazie wird in Bern nach einem Unterbruch von über 20 Jahren wieder angeboten und wurde im März 2022 vom Schweizerischen Akkreditierungsrat akkreditiert.

Enge Zusammenarbeit am Medizinalstandort Bern

’Das Pharmazie-Masterstudium an der Universität Bern profitiert von der hervorragenden Infrastruktur und Expertise für Medizinische Lehre an einer der grössten Medizinischen Fakultäten der Schweiz und der Zusammenarbeit mit dem Inselspital’, sagt Verena Schröder. So werden beispielsweise die ’Clinical Skills’ - einfache und für die Apotheke relevante Untersuchungs-techniken, sowie Impfen und Blutentnahme - am Berner Interdisziplinären Skillund Simulationspersonenzentrum (BiSS) im UniZiegler unterrichtet, und dort auch Szenarien in Diagnose, Triage und Beratung mit Simulationspersonen geübt. Zudem erhalten die Studierenden ein Kommunikationstraining, das sie auf erste Kontakte mit Kundinnen und Kunden in der Apotheke während der 30-wöchigen Assistenzzeit im 5. Studienjahr vorbereitet und dabei auch begleitet.

’Am Inselspital stellen wir mit der engen Zusammenarbeit mit der Universität Bern sicher, dass die jungen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten hochstehende klinisch-pharmazeutische Praxiserfahrungen sammeln können. Zudem können wir den Studierenden Einblicke in die Spitalpharmazie geben und ihnen zeigen, wie vielfältig und anspruchsvoll der Beruf ist’, sagt Jeannette Goette, Chefapothekerin am Institut für Spitalpharmazie des Inselspitals.

Von Apotheken geschätzt

’Im Zentrum unseres Masterstudienganges steht die interprofessionelle Zusammenarbeit der verschiedenen Partner im Gesundheitswesen’, sagt Claudio Bassetti, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Bern. So wird ein grosser Teil der Lehre von gemischten Teams aus Apothekerinnen und Apothekern und Ärztinnen und Ärzten gemeinsam erteilt, unter der Leitung von Alice Panchaud (Pharmazeutin) und Sven Streit (Hausarzt), die am Berner Institut für Hausarztmedizin (BIHAM) zusammen die Doppelprofessur zu Pharmazie und Medizin in der Grundversorgung innehaben.

Mark Kobel, Präsident des Apothekerverbandes des Kantons Bern, schätzt nicht nur die interprofessionelle Zusammenarbeit während des Studiums. ’Wir Berner Apothekerinnen und Apotheker schätzen in erster Linie, dass das Pharmazie-Masterstudium wieder in Bern absolviert werden kann. Dank der lokalen Nähe können wir den Studierenden attraktive Praktikumsstellen in den Berner Apotheken anbieten und so direkt vom Einfluss der Universität auf die tägliche Praxis profitieren.’

Verbesserung der Medikationssicherheit zum Wohle der Patientinnen und Patienten

Zur Attraktivität des Pharmazie-Studiums trägt auch die Stiftungsprofessur für Klinische Pharmazie bei, die 2020 mit Hilfe des Schweizerischen Apothekerverbands pharmaSuisse eingerichtet werden konnte. ’Die Klinische Pharmazie fördert im interprofessionellen Behandlungsteam und im Austausch mit Patientinnen, Patienten und Angehörigen die sichere und effektive Anwendung von Medikamenten, um die Gesundheit der Patientinnen und Patienten zu optimieren’, erklärt Carla Meyer-Massetti, die seit 2021 die Stiftungsprofessur für Klinische Pharmazie innehat. Die Professur ist an der Abteilung Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin am Inselspital, Universitätsspital Bern angesiedelt. Durch die Verknüpfung von klinischer Praxis und Forschung werden neue Erkenntnisse zur Medikationssicherheit gewonnen und in der Lehre vermittelt. Grosse Bedeutung komme dabei der Medikationssicherheit von besonders vulnerablen Personen zu, wie Betagten, multimorbiden und polymedizierten Patientinnen und Patienten, oder an Schnittstellen, etwa zwischen einem Spitalaufenthalt und der weiteren Behandlung im ambulanten Setting oder der Langzeitpflege, so Meyer-Massetti weiter.

’Die Rückmeldungen der Studierenden sind sehr positiv, wir haben auch schon mehrere Studierende aus dem Ausland, und wir sind Überzeugt, mit dem Vollstudium Pharmazie auf dem richtigen Weg zu sein’, so Verena Schröder abschliessend.