Muslimische Seelsorge professionalisiert sich
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Wie kann man eine Familie unterstützen, die vor der Entscheidung steht, die künstliche Beatmung eines Familienmitglieds zu beenden? Wie einer Frau, die sexuelle Gewalt erlebt hat, im Exil helfen, mit Scham und Schuldgefühlen umzugehen? Wie auf die Fragen nach Sinn antworten, die ein Häftling nach einem Suizidversuch stellt? Das Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft (SZIG) bietet eine zertifizierende und professionalisierende Ausbildung für muslimisch spirituelle Begleitpersonen an. Der Bedarf an muslimisch spiritueller Begleitung in so unterschiedlichen Bereichen wie Krankenpflege, Asyl, Armee oder Haft ist heute eine Realität. Vor diesem Hintergrund bietet das Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft seit drei Jahren eine zertifizierende Ausbildung an, deren Ziel es ist, die seelsorgerischen Kompetenzen von Personen zu stärken, die Leistungen im Bereich der spirituellen Begleitung für Muslim_innen in verschiedenen Umfeldern anbieten. Sechzehn Absolvent_innen sollen am 1. Dezember 2023 ihr Zertifikat erhalten. Unabhängig von kantonalen Gesetzgebungen, die die Beziehungen zwischen Staat und religiösen Gemeinschaften regeln, berücksichtigen heute öffentliche Einrichtungen wie Spitäler, Gefängnisse oder Bundesasylzentren in vielen Regionen der Schweiz den Bedarf an spiritueller Unterstützung, den Menschen muslimischer Kultur oder Konfession äussern können. So widmen Menschen, bisher grösstenteils ehrenamtlich, jede Woche mehrere Stunden ihrer Zeit Krankenbesuchen, dem Austausch mit Inhaftierten zu religiösen Fragen oder auch der Begleitung von Migrant_innen in ihrem Entwurzeltsein.

