Diskriminierung in Lausanne verstehen

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Diskriminierung in Lausanne verstehen

Ein Forschungsteam der Universität Lausanne untersucht die Diskriminierungserfahrungen junger Erwachsener in Lausanne, einer Stadt, in der 60-70% der Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben. Das Ziel: Diese Realitäten besser zu verstehen, um gemeinsam mit den lokalen Institutionen gute Praktiken zur Bekämpfung von Diskriminierung zu identifizieren.

Im Rahmen dieses Projekts wurden zwei Umfragen durchgeführt: die eine bei einer Stichprobe von jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 35 Jahren, die in Lausanne leben, die andere bei Studierenden, die an der Universität Lausanne (Unil) ausgebildet werden.

Die Ergebnisse der ersten Umfrage zeigen das Ausmass der im Alltag erlebten Diskriminierungen, insbesondere für junge Menschen mit zwei ausländischen Elternteilen: 40% von ihnen geben an, beim Zugang zu Wohnraum, Gesundheit und Bildung davon betroffen zu sein, und 32% im Bereich der Beschäftigung.

Die Befragten identifizieren institutionelle oder professionelle Akteure als Hauptquelle der Diskriminierung: Vermieter im Wohnungssektor, Vorgesetzte am Arbeitsplatz, Lehrer und andere Schüler im Bildungsbereich und medizinisches Personal im Gesundheitssektor. Diese Diskriminierungen beruhen auf verschiedenen Faktoren, wie soziale oder geografische Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, Sprache oder Religion. Sie variieren je nach Sektor und treten häufig kumulativ auf.

Die Umfrage zeigt somit eine besorgniserregende Realität auf: diskriminierungen treten nicht isoliert auf, sondern durchziehen mehrere Bereiche der Gesellschaft und betreffen insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund und besonders diejenigen, deren beide Elternteile im Ausland geboren wurden.

Die zweite Umfrage bewertete die Diskriminierungserfahrungen von Studierenden der Universität Lausanne: zwar werden Diskriminierungen im Vergleich zu den Angaben der 18- bis 35-Jährigen weniger häufig wahrgenommen, was mit den beobachteten Bildungswegen übereinstimmt, doch sind sie nach wie vor von Bedeutung: 20 % der Befragten sind der Meinung, dass sie beim Zugang zu Wohnraum diskriminiert wurden, 20 % im Gesundheitswesen, 14 % beim Zugang zu Arbeitsplätzen.zugang zur Beschäftigung, 30 % in ihrer Bildungslaufbahn - hauptsächlich in der Sekundarstufe 2 und 1 - und 10 % an der Universität Lausanne. Die mit den Studierenden geführten Interviews belegen auch die systemische Dimension der Diskriminierung, die sich über die Sektoren hinweg auswirkt.

Parallel dazu wurden in Barcelona ähnliche Untersuchungen durchgeführt. Sie sind Teil des vergleichenden Forschungsprojekts EDILAB (Ethnic Discrimination and Inequality in Lausanne and Barcelona), das in diesen beiden Städten mit einem hohen Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund durchgeführt wird.

Gute Praktiken mit den Praxispartnern testen

Um wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen und gleichzeitig konkrete Massnahmen vor Ort zu fördern, arbeitet das Forschungsteam an der Universität Lausanne mit mehreren lokalen Akteuren zusammen, darunter das Lausanner Büro für Immigranten (Bureau lausannois pour les immigrés, BLI). "Wir möchten die Diskriminierungserfahrungen dieser Jugendlichen und ihre Kämpfe gegen Diskriminierung bewerten und gute Praktiken identifizieren, die bereits in lokalen Institutionen und Organisationen vorhanden sind, aber auch die Mechanismen, die hinter der Diskriminierung stehen.ausserdem sollen wir die diskreten Mechanismen erkennen, die zu strukturellen und systemischen Ungleichheiten führen", erklärt Gaële Goastellec , Koordinatorin des Projekts und ordentliche Professorin am Institut für Sozialwissenschaften.

Aus diesen Gründen führten die Erhebungen zu mehreren Konferenzen, die unter anderem bei der Stadt Lausanne, an der Sciences Po Paris, an der Universität de Lausanne, bei der Konferenz der Integrationsdelegierten oder auch bei ECCAR (European Coaliation of Cities Against Racism) stattfanden. Die Vorträge befassten sich im weiteren Sinne mit strukturellem Rassismus und Diskriminierung beim Zugang zu Beschäftigung, Wohnraum, Bildung und Gesundheit und trugen so zur Verbreitung und Diskussion der Projektergebnisse bei. "Die Verbreitung der wichtigsten Ergebnisse unter den Partnern vor Ort ist eine wesentliche Phase unserer Aktionsforschung", erklärt Gaële Goastellec. "Es geht darum, gemeinsam mit den Partnerinstitutionen gute Praktiken zu entwerfen und zu testen".

Weitere Analysen sind in Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern der Pädagogischen Hochschule, der Autonomen Universität Barcelona und der Universität Bordeaux in Arbeit. Vergleichende Veröffentlichungen sind ebenfalls für 2026 geplant.