Der 3R-Preis der Universität Genf zeichnet dieses Jahr eine Studie über die Schaffung personalisierter Organoide zur Bekämpfung von Nierenkrebs aus.

Jedes Jahr ehrt die Universität Genf innovative Forschungsprojekte, die die Biowissenschaften voranbringen und gleichzeitig die Verwendung von Tiermodellen "ersetzen", "reduzieren" oder "verfeinern" (3R). Der 3R-Preis ist mit 5-000 Franken dotiert und wird verliehen, um die Fortsetzung der Arbeit der ausgezeichneten Forscherinnen und Forscher zu unterstützen. Die Auszeichnung wurde am 3. Juni 2025 anlässlich der Preisverleihung der Medizinischen Fakultät verliehen.
Diese Methode stellt nicht nur einen Fortschritt auf dem Weg zu einer stärker personalisierten Medizin dar, sondern bietet auch eine alternative Methode zur Verwendung von Tiermodellen.
In diesem Jahr prämierte die Jury die Arbeiten von Patrycja Nowak-Sliwinska, Professorin an der Sektion Pharmazeutische Wissenschaften der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Genf, und Daniel Benamran, Privatdozent an der Medizinischen Fakultät der Universität Genf und Chirurg für Urologie am HUG, die sich mit Nierenkrebs befassen. Ihre Studie mit den Forschern Jakub Gubala, Valentin Mieville, Massimo Valerio und Jean-Christophe Tille mit dem Titel ’Generation and maintenance of kidney and kidney cancer organoids from patient-derived material for drug development and precision oncology’ , wurde in der Fachzeitschrift Molecular Therapy veröffentlicht. Darin wird ein neues Verfahren zur Herstellung von Nierenorganoiden für die Entwicklung von patientenspezifischen alternativen Behandlungsmethoden beschrieben.
Ein grosses Hindernis, das es zu überwinden gilt
Ein Viertel der metastasierten Nierenkarzinome sind resistent gegen die Erstbehandlung, was den Einsatz alternativer Therapien unabdingbar macht. Die Bewertung der Wirksamkeit und Toxizität dieser Therapien beruht hauptsächlich auf Tiermodellen. Organoide, die aus Patientenzellen gewonnen werden, sind zwar vielversprechend, werden aber aufgrund der grossen genetischen und phänotypischen Heterogenität der Zellen bei dieser Art von Krebs kaum eingesetzt. Das Ergebnis ist, dass die Organoide oft nicht stabil genug sind und schnell die ursprünglichen Tumoreigenschaften verlieren, wenn sie nicht sogar vollständig zerfallen.Näher an der Realität
Um diese Hindernisse zu überwinden, entwickelten die Autoren der preisgekrönten Studie eine innovative Methode, die sowohl zuverlässig als auch kostengünstig ist. Ihr Ansatz ermöglicht es, Tumorzellen von Patienten zu isolieren und sie dann zusammen mit verschiedenen Zellen in der Niere zu kultivieren, wodurch eine realistischere Tumormikroumgebung geschaffen wird. die so gewonnenen Organoide sind viel repräsentativer für den Tumor des Betroffenen und stellen ein ideales Werkzeug dar, um Behandlungen individuell zu testen", sagt Daniel Benamran.da sie direkt aus den Zellen der Patienten gewonnen werden, können wir nun die Wirksamkeit und Toxizität der vorgeschlagenen Therapien für jeden Einzelnen bewerten", fügt Patrycja Nowak-Sliwinska hinzu. Neben dem klinischen Aspekt kann das Modell auch in der Forschung eingesetzt werden, um die Verwendung von tierischem Gewebe oder Zellen zu reduzieren.
Die Universität Genf als Akteurin für verantwortungsvolle Forschung
Dieser Fortschritt überzeugte die Mitglieder der Jury des 3R-Preises, die sich aus Martina Valentini (Jurypräsidentin), Emi Nagoshi (3R-Preis 2016), Gaby Palmer, Ivan Rodriguez und Pascal Senn (3R-Preis 2022) zusammensetzte. Für Elsa Giobellina, stellvertretende Direktorin für Tierversuche und Tierschutzbeauftragte der Universität, unterstreicht die Studie das Engagement der Universität Genf für die 3R: ’Diese Methode stellt nicht nur einen Fortschritt in Richtung einer stärker personalisierten Medizin dar, sondern bietet auch eine einfache, kostengünstige und für andere Labors auf der ganzen Welt zugängliche Alternative zum Einsatz von Tiermodellen. Dies ebnet den Weg für einen breiteren Einsatz von auf menschlichen Organoiden basierenden Modellen in der zukünftigen Forschung.’ Dieses Projekt ist ein Beispiel für die fruchtbare interinstitutionelle Zusammenarbeit zwischen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, der Medizinischen Fakultät (UNIGE) und dem Universitätsspital Genf (HUG).Dieses Engagement spiegelt sich auch in der jährlich steigenden Zahl von Bewerbungen für den 3R-Preis wider. Die Universität Genf spielt eine führende Rolle im Bereich 3R, indem sie aktiv für Finanzierungsmöglichkeiten, bestehende Preise und verfügbare Schulungen sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Universität wirbt. Sie ist zudem Mitglied des Schweizer 3R-Kompetenzzentrums (3RCC), das sich auf nationaler Ebene für die Entwicklung und Einführung von 3R-Methoden einsetzt.




