Globales Netzwerk überwacht Coronaviren

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Das Netzwerk umfasst derzeit Labore in zwanzig Ländern auf fünf Kontinenten. IVI
Das Netzwerk umfasst derzeit Labore in zwanzig Ländern auf fünf Kontinenten. IVI

Eine Schweizer Kollaboration wurde zum Mitglied des WHO-Netzwerks CoViNet für die Früherkennung und Überwachung von Coronaviren ernannt.

CoViNet - für CoronaVirus Network - ist ein internationales Forschungsnetzwerk, das auf die weltweite Früherkennung, Analyse und Überwachung von Coronaviren abzielt. Das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufene und bereits in 20 Ländern eingesetzte Netzwerk beherbergt heute das Zentrum für neu auftretende Viruserkrankungen der Universität Genf und des Universitätsspitals Genf (HUG) sowie das Eidgenössische Institut für Virologie und Immunologie (IVI), das mit der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern (UNIBE) zusammenarbeitet. Diese gemeinsame Benennung ist Teil einer langjährigen Partnerschaft mit der WHO. Die Mitglieder des CoViNet trafen sich am 26. und 27. März in Genf, um die strategischen Schwerpunkte festzulegen und ihre Arbeit zu koordinieren.

Die COVID-19-Krise mit ihren sieben Millionen Toten weltweit hat gezeigt, wie wichtig eine frühzeitige Erkennung für die wirksame Umsetzung von Maßnahmen im Bereich der Öffentlichen Gesundheit ist. Sie hat das Wort ’Coronavirus’ in den täglichen Wortschatz aufgenommen, aber SARS-CoV-2 ist bei weitem nicht das einzige in dieser Familie, das den Menschen bedroht.

Das Anfang 2024 ins Leben gerufene CoronaVirus Network (CoViNet) der WHO hat die Aufgabe, Coronaviren und ihre Varianten bei Menschen und Tieren aufzuspüren, zu überwachen und gründlich genetisch zu analysieren. Das Netz wird derzeit in über 20 Ländern auf fünf Kontinenten eingesetzt. Das Netzwerk wird die Risikobewertung, den Informationsaustausch und die Präventionsmaßnahmen gegen neu auftretende oder bereits zirkulierende Coronaviren verbessern. Die Arbeit der WHO wird die Maßnahmen der WHO und die politische Entscheidungsfindung auf nationaler und globaler Ebene unterstützen.

Das Zentrum für neu auftretende Viruserkrankungen der Universität Genf und des Universitätsspitals Genf (HUG) sowie das Institut für Virologie und Immunologie (IVI) sind heute dem CoViNet beigetreten. Die beiden Einrichtungen arbeiten seit 2020 bei der Erforschung von Coronaviren zusammen. Gemeinsam werden sie sich mit neuen Varianten und der Wirksamkeit der verfügbaren Impfstoffe gegen diese Viren befassen. Die Arbeit der beiden Teams wird sich auf den integrativen One-Health -Ansatz stützen, der darauf abzielt, die Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen in ein Gleichgewicht zu bringen und nachhaltig zu optimieren.

Zusammenlegung von Kompetenzen

Das Zentrum der Universität Genf und des Universitätsklinikums Genf (HUG) wird speziell an neu auftretenden Viren beim Menschen arbeiten. ’Wir wollen die Entwicklung des Virus besser verstehen. Seit 2021 koordinieren wir die nationale Überwachung von SARS-CoV-2 in der gesamten Schweiz. Unsere Forschung zielt darauf ab, zu verstehen, ob und warum neue Varianten des Virus den Antikörpern der Impfstoffe oder der Infektion entgehen und ob Diagnosetests immer noch zuverlässige Ergebnisse liefern’, erklärt Isabella Eckerle, Co-Leiterin des Zentrums, die die Genfer Aktivitäten des CoViNet leiten wird.

Das IVI-Team wird sich in Zusammenarbeit mit der Vetsuisse-Fakultät und dem multidisziplinären Zentrum für Infektionskrankheiten der UNIBE (MCID) auf das Auftreten dieser Viren bei Menschen und Tieren konzentrieren. Sie kann sich auf viele Jahre Spitzenforschung zu Coronaviren und den grundlegenden Mechanismen der Interaktion unseres Immunsystems mit dem Virus stützen. ’Das Ziel unserer Aktivitäten ist die Bewertung der Risiken, die mit Coronaviren und ihren Varianten verbunden sind. Insbesondere, welche viralen Gene die Varianten gefährlicher machen können oder ihnen ermöglichen, unserem Immunsystem zu entgehen’, erklärt Volker Thiel, Leiter der Abteilung für Virologie am IVI und Professor an der Vetsuisse-Fakultät der UNIBE.

Isabella Eckerle ist assoziierte Professorin am Departement für Medizin der Medizinischen Fakultät der Universität Genf und Co-Direktorin des Zentrums für neu auftretende Viruskrankheiten (UNIGE-HUG). Sie ist Spezialistin für zoonotische Viren, insbesondere für Coronaviren. Während der COVID-19-Pandemie gehörte ihr Forschungsteam zu den Referenzlaboren der WHO für die Entwicklung und Validierung diagnostischer Tests in der Schweiz. Sie war an mehreren Experten- und Expertinnengruppen beteiligt.

Volker Thiel ist Leiter der Abteilung für Virologie am Institut für Virologie und Immunologie (IVI) und Professor an der UNIBE. Er ist auf die Biologie von Coronaviren spezialisiert. Er hat zahlreiche Forschungsarbeiten durchgeführt, insbesondere zu ihrer Replikation und den damit verbundenen Immunantworten. Während der Pandemie war er Mitglied der National Swiss Science Task Force und ist derzeit Mitglied der Technical Advisory Group on SARS-CoV-2 Virus Evolution der WHO.

Eine notwendige Entwicklung

Das CoViNet ist die Fortsetzung der von der WHO ab 2020 benannten ’Referenzlaboratorien’, in die das Zentrum für neu auftretende Viruserkrankungen der Universität Genf und der HUG 2023 aufgenommen wurde. Ihre ursprüngliche Aufgabe bestand darin, Tests für Länder bereitzustellen, die über keine oder nur geringe Kapazitäten in diesem Bereich verfügten. Seitdem ist die Notwendigkeit, die Entwicklung des Virus und seiner Varianten zu überwachen, zwingend geworden und damit auch die Ausweitung der Ziele dieser Labore auf die Tiergesundheit und die Umweltüberwachung. Um dieses neue Labornetzwerk aufzubauen, hatte die WHO im Herbst 2023 eine CoViNet-Ausschreibung veröffentlicht.